Zündstoff · September 2026 · Sandra Gnoth und Roland Schmidkunz
Der Kunde will keinen KI-Agenten
Er will sein Anliegen los sein. Agentic AI verschiebt die Frage von „Was kann das System?“ zu „Wer steht für das Ergebnis gerade?“ — und genau dort entscheidet sich, ob Automatisierung im Kundenkontakt trägt.
Der Ausgangspunkt
Eine neue Stufe der Automatisierung — und eine alte Frage
Agentic AI beschreibt Systeme, die nicht mehr nur antworten, sondern handeln: Sie zerlegen ein Anliegen in Teilschritte, greifen auf Fachsysteme zu, lösen aus, prüfen nach und melden zurück. Für das Kundenmanagement ist das ein echter Sprung — weil zum ersten Mal nicht die Auskunft automatisiert wird, sondern der Vorgang selbst.
Nur interessiert den Kunden diese Unterscheidung nicht. Er erlebt keinen Agenten, er erlebt ein Ergebnis: Der Tarif ist geändert oder er ist es nicht. Die Gutschrift ist da oder sie ist es nicht. Wer Agentic AI als Technologiethema führt, diskutiert monatelang über Modelle und Schnittstellen, während die einzig relevante Größe unbeantwortet bleibt — ob das Anliegen beim ersten Kontakt vom Tisch ist.
Deshalb beginnt unsere Arbeit an diesen Vorhaben nicht beim Werkzeug, sondern beim Versprechen. Welche Zusagen macht Ihr Unternehmen dem Kunden, welche davon hält es heute im Alltag ein, und welche dieser Zusagen soll künftig eine Maschine einlösen? Erst wenn das geklärt ist, lohnt die Frage nach der Architektur.
Automatisierung macht kein schlechtes Versprechen gut. Sie macht es nur schneller sichtbar.
Wo der Prozess vorher unklar war, wird der Agent diese Unklarheit zuverlässig und in großer Zahl reproduzieren.
Vom Pilotprojekt zum Businessvalue
Viele Vorhaben bleiben im Erprobungsstadium stecken, weil ihr Nutzen nie an eine betriebliche Größe gebunden wurde. Ein Agent, der „gut funktioniert“, ist kein Ergebnis. Ein Agent, der eine definierte Vorgangsart vollständig und nachweisbar abschließt, ist eines.
Wir empfehlen, vor dem ersten Piloten festzulegen, woran später gemessen wird: Abschlussquote im ersten Kontakt, Wiederkontakte zum selben Anliegen, Übergabequote an Mitarbeitende, Beschwerden im automatisierten Pfad. Diese Größen existieren in den meisten Häusern bereits — sie müssen nur für den neuen Pfad getrennt erhoben werden.
Wie wir Agentic AI im Kundenkontakt angehen
Kein Technologieprojekt mit angehängter Prozessfrage, sondern umgekehrt.
- 01
Vorgangslandkarte
Wir nehmen auf, welche Anliegen tatsächlich eingehen, wie häufig sie sind, wie lange sie dauern und wie oft sie wiederkehren. Erst diese Landkarte zeigt, welche Vorgangsarten sich für autonome Bearbeitung eignen — und welche aus guten Gründen beim Menschen bleiben.
- 02
Entscheidungsrechte klären
Für jede ausgewählte Vorgangsart legen wir mit Fachbereich, Recht und Service fest, was der Agent auslösen darf, ab welchem Wert er zurückfragt und wann er abbricht. Das Ergebnis ist ein verbindliches Regelwerk, auf das sich später alle berufen können.
- 03
Eng begrenzt in Betrieb nehmen
Start mit einer Vorgangsart, einem Kanal, einer messbaren Zusage. Parallel läuft der bisherige Weg weiter, damit Abweichungen sichtbar werden, ohne dass Kunden darunter leiden. Kurze Rückkopplungsschleifen mit den Mitarbeitenden gehören von Tag eins dazu.
- 04
Messen, korrigieren, ausweiten
Nach der Inbetriebnahme prüfen wir dieselben Größen, die vorher definiert wurden, und arbeiten die Abweichungen ab. Ausgeweitet wird erst, wenn eine Vorgangsart stabil trägt — nicht, weil der Termin im Programmplan steht.
Fragen, die uns in Projekten regelmäßig gestellt werden
Nach unserer Erfahrung verschiebt sie die Zusammensetzung der Arbeit, nicht ihre Notwendigkeit. Standardisierte, gut beschriebene Vorgänge lassen sich abgeben; was bleibt, ist anspruchsvoller und braucht erfahrene Mitarbeitende. Wer die Personalplanung allein aus der Automatisierungsquote ableitet, unterschätzt den verbleibenden Anteil.
Über Ihren Fall sprechen
Wenn Sie prüfen, wo autonome Agenten in Ihrem Kundenkontakt tragen — und wo nicht —, sortieren wir die Ausgangslage mit Ihnen. Sie sprechen dabei mit den Beratern, die auch im Projekt arbeiten.